Git für KI 1, die Basics
Warum Du Git brauchst sobald Du mit Claude oder Cursor baust. Und wie Du in 15 Minuten eingerichtet bist.
Worum es geht
Stell Dir vor Du lässt Claude eine kleine Web-App bauen. Es läuft, Du machst noch eine kleine Änderung, willst eine zweite Funktion dazu, und ploetzlich ist alles kaputt. Der Login geht nicht mehr, eine Datei ist verschwunden, und Du weisst nicht warum.
Ohne Git stehst Du jetzt eine Stunde da und versuchst das wieder zusammenzubauen. Mit Git tippst Du einen Befehl und bist eine Sekunde später wieder bei dem Stand der lief.
Das ist der ganze Sinn von Git in diesem Kurs. Nicht "Versionskontrolle für Software-Teams". Sondern Sicherheitsnetz für Dich, wenn Du mit KI baust und die KI mal wieder schneller war als Dein Hirn.
Die Speicherstand-Metapher
Wenn Du früher Videospiele gespielt hast, hast Du vor einem schweren Bossfight einen Speicherstand gemacht. Geht der Kampf schief, lädst Du den Stand und probierst es anders. Geht er gut, machst Du einen neuen Speicherstand und gehst weiter.
Genauso funktioniert Git.
- Ein Commit ist ein Speicherstand.
- Ein Repository (kurz Repo) ist Dein gesamter Spielstand-Ordner.
- GitHub ist Cloud-Backup für Deine Spielstaende, plus Du kannst sie mit anderen teilen.
Mehr brauchst Du für den Anfang nicht zu verstehen.
Warum es bei KI besonders wichtig ist
Wenn Du selber tippst, machst Du in einer Stunde vielleicht zehn Änderungen. Du behältst grob im Kopf was Du wo geändert hast.
Wenn Claude Code in einem einzigen Auftrag läuft, ändert es manchmal acht Dateien gleichzeitig. Refactor hier, neue Funktion da, eine Import-Zeile dort. Wenn dann irgendwo was bricht, kannst Du das mit dem Editor-Undo nicht mehr zurueckdrehen, weil das nur pro Datei und nur in der aktuellen Editor-Session geht.
Mit Git ist das egal. Du machst vor jedem größeren KI-Auftrag einen Commit, und wenn der Auftrag schiefgeht, bist Du in einer Sekunde wieder am Stand davor.
Der Satz der das am besten zusammenfasst kommt aus einem Blog-Post zu KI-Coding. Frei übersetzt: KI-Tools arbeiten so schnell dass die Kosten eines Fehlers mit der Geschwindigkeit der KI mitskalieren. Je schneller die KI, desto mehr Schaden kann ein einziger schlechter Prompt anrichten ohne Versionskontrolle. Git ist der Sicherheitsgurt der schnelles Fahren überlebbar macht.
Was Du JETZT installieren solltest
Du brauchst zwei Dinge.
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Git selbst. Das ist die Software die im Hintergrund läuft.
- Mac:
brew install gitim Terminal, oder der Mac hat es schon, einfachgit --versiontesten. - Windows: git-scm.com runterladen, normaler Installer, alle Defaults übernehmen.
- Linux:
sudo apt install gitoder Äquivalent für Deine Distribution.
- Mac:
-
Eine GUI als Einstiegspunkt. Kommandozeile lernst Du später. Für den Anfang reicht eine grafische Oberflaeche, die zeigt Dir was Du tust.
- GitHub Desktop (desktop.github.com), gratis, sehr Anfänger-freundlich.
- Oder VS Code Source Control Tab, wenn Du eh schon VS Code benutzt.
Beide reichen völlig für alles was wir in diesem Mini-Modul machen. Ich empfehle GitHub Desktop für den Start, weil es weniger ablenkt als ein voller Editor.
GitHub-Account anlegen
Auf github.com einen kostenlosen Account anlegen. Username wählen, Email bestätigen. Du brauchst später den Username, also wähl einen den Du im Berufskontext hinpacken würdest, nicht XxDarkLord420xX.
Dein erstes Repo
Im GitHub Desktop oben links auf "File" und dann "New Repository". Namen vergeben, Speicherort wählen, "Initialize with README" anhaken. Klick auf "Create".
Du hast jetzt ein lokales Repo. Du siehst einen Ordner auf Deiner Festplatte, drin liegt eine README.md.
Mach jetzt eine kleine Änderung in der README. Schreib zum Beispiel "Hallo Welt" rein. Speichern.
Im GitHub Desktop siehst Du jetzt links die Datei mit einem gelben Punkt. Das heißt: geändert, aber noch nicht committed. Unten links steht ein Feld für eine Commit-Message, schreib "erste änderung" rein, klick auf "Commit to main".
Erstes Speicherstand ist drin.
Push zu GitHub
Jetzt willst Du das Repo auch auf github.com sehen, als Backup. Oben in GitHub Desktop steht "Publish repository". Klick drauf, "Keep this code private" anhaken (gewöhn Dir an, private ist Default), "Publish".
30 Sekunden später ist Dein Repo auf github.com unter github.com/DEIN-USERNAME/DEIN-REPO. Du kannst es im Browser anschauen, die README ist da.
Dein neuer Default-Workflow
Ab jetzt machst Du das vor jeder Claude- oder Cursor-Session:
- Wenn Du noch kein Repo hast, eines anlegen wie oben.
- Vor dem KI-Auftrag: Falls noch was offen ist, committen. Schreibst kurz was Du gerade hattest.
- KI bauen lassen.
- Schauen ob es läuft. Wenn ja: committen mit kurzer Beschreibung.
- Wenn es nicht läuft und sich nicht in 5 Minuten reparieren lässt: in GitHub Desktop oder VS Code mit einem Klick die Änderungen verwerfen ("Discard all changes"). Du bist wieder am letzten Commit.
Diese fünf Schritte sind der ganze Trick. Mehr brauchst Du für Lesson 1 nicht.
Was Du jetzt kannst
- Verstehen warum Git bei KI-Code keine Empfehlung sondern Pflicht ist
- Git und GitHub Desktop installieren
- Ein Repo anlegen, committen, zu GitHub pushen
- Änderungen verwerfen wenn die KI was kaputt gemacht hat
In Lesson 2 geht es um Branches. Das ist der Trick wie Du für jeden KI-Auftrag eine eigene Sandbox bekommst, in der die KI experimentieren kann ohne Dein laufendes Projekt zu berühren.