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Playbook· workflow

Git für KI, Quickstart in 30 Minuten

Schritt-für-Schritt Setup wenn Du mit Claude oder Cursor baust. Vom GitHub-Account bis zum funktionierenden Branch-Workflow plus dem GitHub MCP Server. Bonus: was Du machst wenn die KI mal wieder was kaputt gemacht hat.

Wenn Du mit Claude Code oder Cursor baust, ist Git nicht mehr "Versionskontrolle für Software-Teams". Es ist Sicherheitsgurt. Die KI macht in Sekunden Änderungen über acht Dateien, Editor-Undo bringt Dir nichts mehr, und ohne Speicherstand bist Du eine Stunde am Aufräumen. Dieses Playbook bringt Dich in 30 Minuten von "kein Git installiert" zu "die KI darf machen was sie will, ich bin geschuetzt".

Wir gehen drei Stationen durch. Block 1 ist Setup plus erstes Repo. Block 2 ist die Branch-Disziplin. Block 3 ist der GitHub MCP Server damit Claude direkt mit Deinem GitHub reden kann. Wer schon ein Repo hat darf Block 1 überspringen.

Der ganze Inhalt steht auch detaillierter in den drei Lessons Level 1 / 8, 9 und 10. Dieses Playbook ist die Schnelldurchlauf-Variante mit allen Befehlen am Stück.

Block 1, Setup plus erstes Repo (10 Minuten)

Du brauchst zwei Dinge auf Deinem Rechner. Erstens Git selbst. Auf Mac brew install git, auf Windows den Installer von git-scm.com mit allen Defaults, auf Linux sudo apt install git. Zweitens eine grafische Oberflaeche damit Du nicht mit Kommandozeile anfangen musst. Empfehlung GitHub Desktop von desktop.github.com, gratis, sehr einsteigerfreundlich.

GitHub-Account auf github.com anlegen. Kostenlos, Email bestätigen. Username so wählen dass Du ihn auf eine Visitenkarte schreiben würdest.

Erstes Repo. In GitHub Desktop oben links File, New Repository. Namen vergeben, Speicherort wählen, "Initialize with README" anhaken, "Create repository". Du hast jetzt einen Ordner auf der Festplatte mit einer README darin.

Erste Änderung. Mach die README in einem Editor auf, schreib "Hallo Welt" rein, speichern. In GitHub Desktop siehst Du die Datei links mit gelbem Punkt. Unten links eine kurze Commit-Message tippen, "erste änderung", auf "Commit to main" klicken. Erster Speicherstand ist drin.

Push zu GitHub. Oben in GitHub Desktop "Publish repository" klicken, "Keep this code private" anhaken, "Publish". 30 Sekunden später ist Dein Repo unter github.com/dein-username/dein-repo auch online sichtbar. Backup steht.

Dein neuer Default-Workflow vor jeder KI-Session: prüfen dass das Repo offen ist, alles offene committen mit kurzer Beschreibung, dann erst die KI bauen lassen. Wenn die KI was kaputt macht, in GitHub Desktop "Discard all changes" klicken, Du bist wieder am letzten Commit.

Block 2, Branch-Disziplin (10 Minuten)

Branches sind das Pattern das Dir wirklich Ruhe gibt. Anstatt direkt auf main zu arbeiten, legst Du für jeden größeren KI-Auftrag einen eigenen Branch an. Wenn der Auftrag schiefgeht, löschst Du den Branch. Dein Original ist nie berührt worden.

In GitHub Desktop oben in der Mitte ist ein Branch-Dropdown. Klick drauf, "New branch", Namen vergeben (zum Beispiel feature/login-form), "Create branch". Du bist jetzt auf dem neuen Branch.

Jetzt lässt Du Claude bauen. Drei mögliche Ausgänge.

Erstens, es funktioniert und Du magst es. Diff anschauen (in GitHub Desktop links auf die Dateien klicken, rechts erscheint der Diff Zeile für Zeile). Wenn der Diff sauber ist, committen, dann zurück auf main, Branch in main mergen.

Zweitens, es funktioniert halb und Du willst weiterarbeiten. Auf dem Branch committen, weiterarbeiten, später mergen wenn alles passt.

Drittens, Murks. Zurück auf main, Branch löschen ("Delete branch"). Du hast nichts verloren.

Diff lesen ist die unterschätzte Disziplin. Bevor Du irgendwas committest, schau Dir den Diff eine Minute lang an. Du suchst nach drei Sachen. Hat die KI Dinge geändert die Du nicht angefragt hast (klassisch ist Refactor nebenbei). Sind Dateien verschwunden die Du brauchst (KI löscht manchmal "ungenutzten" Code der woanders gebraucht wird). Sind irgendwo Geheimnisse drin (API-Keys, Passwörter, .env-Inhalte). Wenn Du das committest und pushst, ist es für immer im Internet.

Eine wichtige Warnung dazu. Wenn Du zu Claude Code sagst "kannst Du das rückgängig machen", kann es passieren dass Claude git reset --hard ausführt. Das ist destruktiv, alle uncommitted Änderungen sind weg. Es gibt einen offiziellen Bug-Report dazu (Issue 17190 vom Januar 2026). Stattdessen entweder selber in der GUI revert klicken (rechtsklick auf Commit, "Revert this commit"), oder Claudes eingebauten /rewind Befehl nutzen (auch /checkpoint aliased), der dreht Code und Conversation gleichzeitig zurück zu einem frueheren Punkt. Niemals vage "mach rückgängig" Auftraege geben.

Commit-Disziplin. Mach mehr Commits, kürzer. Anfänger machen oft eine Stunde am Stück und dann einen Riesen-Commit "alles fertig". Wenn dann was schiefgeht ist der Rollback teurer als nötig. Faustregel: vor JEDEM Auftrag den Du an die KI gibst einmal kurz committen.

Block 3, GitHub MCP Server (10 Minuten)

Der nächste Hebel. Statt zwischen Editor und Browser hin und her zu wechseln, gibst Du Claude direkten Zugang zu Deinem GitHub. Issues lesen, Pull Requests anlegen, CI-Pipelines debuggen, Dependabot-Alerts durchgehen, alles per Sprache aus der Konversation heraus.

Personal Access Token anlegen. Auf github.com einloggen, oben rechts auf Profilbild, Settings, Developer settings (links unten), Personal access tokens, "Tokens (classic)", "Generate new token". Note "Claude MCP Server", Expiration 90 days (NICHT no expiration), Scopes mindestens repo und read:org. Wenn Du auch GitHub Actions steuern willst zusätzlich workflow. "Generate token" klicken. Der lange String der mit ghp_ anfaengt JETZT in einen Passwort-Manager kopieren, GitHub zeigt ihn nie wieder.

Installation in Claude Code. Im Terminal:

claude mcp add --transport http github https://api.githubcopilot.com/mcp \
  --header "Authorization: Bearer ghp_DEIN_TOKEN_HIER"

Das ist die offizielle Syntax aus den Claude Code Docs. Die URL api.githubcopilot.com/mcp funktioniert auch ohne GitHub Copilot Abo, der Name ist nur historisch verwirrend.

Installation in Claude Desktop. Claude Desktop unterstützt die hosted Variante mit OAuth Stand 2026 noch nicht. Du brauchst die lokale Docker-Variante. Voraussetzung: Docker Desktop installiert. Dann in claude_desktop_config.json (Mac unter ~/Library/Application Support/Claude/, Windows unter %APPDATA%\Claude\, Linux unter ~/.config/Claude/):

{
  "mcpServers": {
    "github": {
      "command": "docker",
      "args": ["run", "-i", "--rm", "-e", "GITHUB_PERSONAL_ACCESS_TOKEN", "ghcr.io/github/github-mcp-server"],
      "env": {
        "GITHUB_PERSONAL_ACCESS_TOKEN": "ghp_DEIN_TOKEN_HIER"
      }
    }
  }
}

Claude Desktop neu starten. In den Tools sollte jetzt "github" auftauchen.

Drei Beispiele die sofort den Wert zeigen. "Lies Issue 42 in meinem Repo und schlag eine Implementierung vor" lässt Claude Issue lesen, verknuepften Code anschauen, Plan schreiben. "Was ist beim letzten Workflow-Lauf in main schiefgegangen" lässt Claude die GitHub Actions Logs durchgehen und gibt Dir die exakte Fehlermeldung. "Welche Dependabot-Alerts sind offen, welche kritisch" sortiert Dir die Security-Findings über Deine Repos.

Sicherheits-Hinweise. PAT ist wie ein Passwort, niemals in Code committen oder in Slack posten. Scopes minimal halten, nur das was Du wirklich brauchst. Fine-Grained Personal Access Tokens sind Classic-PATs vorzuziehen weil sie pro Repo einstellbar sind und automatisch ablaufen.

Was Du jetzt hast

Setup steht, Branch-Workflow sitzt, GitHub MCP redet mit Claude. Wenn die KI ab jetzt was Doofes macht, kostet Dich das eine Sekunde Branch löschen statt einer Stunde Reparatur. Wenn die KI was Gutes macht, mergst Du es sauber in main und hast eine Historie.

Wenn Du tiefer einsteigen willst, schau Dir die drei Lessons in Level 1 (8, 9, 10) an. Da steht das gleiche nochmal ausfuehrlicher mit der Speicherstand-Metapher und mehr Hintergrund. Plus die Recipes 2.5, 3.6 und 3.7 sind die Step-by-Step-Versionen wenn Du was bestimmtes nochmal nachschlagen musst.