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Context-Window managen in langen Claude-Code-Sessions

Wann /compact, wann /clear, wann /resume. Zehn Schritte gegen den Drift in Stunden-langen Coding-Sessions.

Stunde drei in der Session, Claude faengt an Sachen zu vergessen die du in Stunde eins erklärt hast. Antworten werden vager. Die letzte Code-Änderung ignoriert eine Konvention die du am Anfang explizit gesetzt hast. Klassischer Context-Drift.

Du kannst das nicht "wegprompten". Du musst den Kontext aktiv managen. Die Tools dafür sind alle da, die meisten Leute nutzen sie aber nicht oder nutzen sie falsch. Hier sind die zehn Schritte die ich in jeder laengeren Coding-Session durchgehe, in der Reihenfolge in der sie greifen.

1. Erkenne wann der Kontext kippt

Drei Signale die zuverlaessig kommen bevor es richtig schief geht. Erstens: Claude wiederholt sich, schlägt Sachen vor die ihr vor zwei Stunden schon verworfen habt. Zweitens: Code-Änderungen werden hektischer, mehr Files gleichzeitig, weniger fokussiert. Drittens: Du musst Konventionen die ihr am Anfang gesetzt habt nochmal explizit nennen, weil sonst falsche Patterns rauskommen.

Wenn eines dieser drei Signale kommt, ist es Zeit für Schritt 2. Nicht später. Je weiter der Drift, desto teurer der Reset.

2. /usage zuerst, dann entscheiden

Bevor du irgendwas resetst: tipp /usage. Du siehst den aktuellen Token-Stand der Session. /cost ist ein Alias dafür und macht das gleiche.

Bei unter 50 Prozent Auslastung: Drift hat einen anderen Grund, vielleicht ist dein letzter Prompt unklar, vielleicht ist der Task einfach zu groß. Reset bringt dir nichts.

Bei 50 bis 75 Prozent: noch Spielraum, aber /compact macht jetzt Sinn wenn du noch länger weitermachst.

Über 75 Prozent: hier musst du aktiv werden, sonst kippt die Session in den nächsten 20 Minuten.

3. /compact richtig nutzen

/compact schreibt eine Zusammenfassung der Session und ersetzt den langen Verlauf damit. Token-mässig sparst du oft 60 bis 80 Prozent. Was bleibt: die Zusammenfassung plus deine CLAUDE.md plus die letzten paar Turns.

Gefahr: was nicht in der Zusammenfassung landet, ist weg. Wenn du gerade in einem heiklen Refactor steckst und Claude eine Konvention "wusste" die nirgends explizit gespeichert war, kann die nach /compact weg sein. Schreib wichtige Sachen vorher in CLAUDE.md oder lass Claude die Konvention explizit aufschreiben.

Praxis-Tipp: gib dem /compact einen Hint mit was unbedingt rein muss. "Compact aber behalte alle Entscheidungen zur Auth-Architektur" funktioniert.

4. /clear wenn der Job durch ist

Wenn ein Task wirklich fertig ist, also commitet, getestet, deployed: /clear. Startet eine neue Conversation mit leerem Context. Die alte bleibt in /resume verfügbar falls du nochmal ranmusst.

Klassischer Fehler: Leute lassen die Session den ganzen Tag offen, springen zwischen Tasks, und wundern sich warum nach 6 Stunden alles drueber geht. Jeder neue Task verdient /clear. Das ist gratis und macht Stunden 4 bis 8 produktiver als Stunden 1 bis 3.

5. /resume statt panisch neu starten

Du hast geclearet, dann fällt dir auf dass im alten Context noch was Wichtiges war. /resume zeigt dir die letzten Sessions, du springst zurück rein. Kein Datenverlust.

Wichtig: /resume ist nicht für "ich brauche den ganzen Context wieder". Es ist für "ich brauch eine Sache aus dem alten Context". Hol dir die Info, schreib sie als Notiz in CLAUDE.md oder in deine Memory, dann zurück zur frischen Session.

6. CLAUDE.md als Anker

Das ist der einzige Ort der Resets ueberlebt. CLAUDE.md liegt im Projekt-Root und wird automatisch in jede Session geladen. Für alles was projekt-konstant ist gehört es da rein, nicht in den Conversation-Context.

Konkret rein: Coding-Conventions, Stack-Versionen, Routes-Map, "wir nutzen X nicht Y", Glossary für Domain-Begriffe, "PostgreSQL läuft auf Port 5433 nicht 5432". Was du nach jedem /compact sonst neu erklären musst, gehört in die Datei.

Limit beachten: Anthropic warnt explizit vor zu großen CLAUDE.md-Files. Wenn deine über 500 Zeilen wird, ist das ein Code-Smell. Splitten in CLAUDE.md für Kern + separate Doku-Files die per Read-Anweisung im Bedarfsfall geladen werden.

7. Lange Tasks splitten mit /fork

Manche Tasks sind so groß dass sie alleine eine ganze Session fuellen. Refactor durch 40 Files, Migration auf neue API-Version, Feature-Implementierung mit fünf Dependencies. Ein einziger Sub-Agent oder eine /fork-Branch macht da Sinn.

/fork startet eine Branch der aktuellen Session. Du arbeitest da getrennt weiter, der Original-Context bleibt sauber. Kommst du zurück mit /resume. So vermeidest du dass der Recherche-Teil eines Tasks deine Implementierungs-Session zumuellt.

CLAUDE_CODE_FORK_SUBAGENT als Env-Variable setzt um, sodass /fork einen Sub-Agent statt einer Session-Branch spawnt. Das ist die Variante für "ich will paralle Arbeit, nicht sequenziell".

8. Memory-MCP für cross-session

CLAUDE.md ist projekt-skoped, aber manche Sachen sind cross-projekt. "Matthias hasst em-dashes", "Wir deployen über Docker, nie direkt", "Postgres läuft Port 5433 weil 5432 schon besetzt war". Sowas in einen Memory-MCP-Server.

StudioMeyer-Memory-MCP oder ein vergleichbarer Server (Mem0, Letta, eigener) speichert Facts persistent und gibt sie auf Anfrage zurück. Die Lessons in Level 4 (memory-einrichten, memory-hygiene) zeigen das Setup. Effekt: deine Facts ueberleben nicht nur /clear, sondern auch komplett neue Maschinen.

9. Plan-Mode reduziert Context-Last

Bevor du in einen großen Task reingehst, lass Claude ihn im Plan-Mode planen. Plan-Mode generiert nur den Plan, keinen Code. Der Plan landet als kompakter Text im Context, nicht als 40 File-Reads und 200 Diff-Lines.

Mit dem Plan im Context kannst du dann gezielt Stück für Stück umsetzen, ggf. nach jedem Stück /compact. Das ist 5x effizienter als "implementier das Feature komplett". Mehr dazu im Playbook plan-mode-richtig-nutzen.

10. Daily-Reset-Routine

Ende des Arbeitstags: Session sauber abschliessen, nicht bis morgen offen lassen. Konkret:

Erstens, alle offenen Tasks committen oder explizit als Draft markieren. Zweitens, wichtige Decisions die heute gefallen sind in CLAUDE.md oder Memory. Drittens, /clear plus eine Zeile "Tomorrow: pick up X". Viertens, nächsten Morgen mit frischem /clear starten und ggf. /resume von gestern wenn nötig.

Das klingt nach Overhead, aber 5 Minuten pro Tag investiert dir 30 bis 60 Minuten Drift-Schmerz pro Woche zurück. Plus du erkennst Patterns: welche Tasks brauchen wirklich lange Sessions, welche sind 2-Stunden-Stück. Das hilft dir auf Dauer Tasks besser zu planen.

Was als nächstes

Wenn dir das Thema generell unter den Naegeln brennt, zwei nächste Schritte. Lesson 04-kontext-und-tokens in Level 1 erklärt wie Context-Windows technisch funktionieren, falls du das Mental Model brauchst. Playbook claude-code-cost-controls-für-daily-driver zeigt wie du die Kosten deiner Sessions begrenzt, was direkt mit Context-Management zusammenhängt. Und wenn du in Multi-Stunden-Tasks viel mit Sub-Agents arbeitest, lohnt das Playbook erster-sub-agent-in-30-min plus die L5-Lessons zu Multi-Agent-Patterns.

Source

Dieses Playbook stuetzt sich auf die offizielle Claude-Code-Dokumentation:

  • Slash Commands Reference: https://code.claude.com/docs/en/commands (zuletzt geprüft 2026-05-04)
  • Memory & CLAUDE.md: https://code.claude.com/docs/en/memory
  • Skills & Built-in Commands: https://code.claude.com/docs/en/slash-commands

Verifiziert: /clear, /compact, /resume, /fork, /usage, /cost (alias für /usage), CLAUDE.md, CLAUDE_CODE_FORK_SUBAGENT.