← Alle Playbooks
Playbook· setup

Claude Projects für Nicht-Coder, ein produktiver Workspace in 30 Minuten

Projects in claude.ai sind kein Code-Feature. Sie sind der Workspace in dem Du wiederkehrende Aufgaben planst, Wissen ablegst und Claude trainierst ohne ein Zeile Code zu schreiben. 10 Schritte vom leeren Project zum produktiven Setup.

Du nutzt Claude jeden Tag, aber jedes Mal startest Du den Chat bei Null. Du paste den gleichen Kontext rein. Du erklaerst Deine Rolle, Dein Projekt, Deine Marke nochmal. Nach drei Wochen merkst Du dass Du eine halbe Stunde am Tag nur für Setup verschwendest.

Genau dafür sind Projects da. Ein Project in claude.ai ist ein Container der drei Dinge zusammenhaelt, Deine Custom Instructions für diesen Bereich, Dein hochgeladenes Wissen (PDFs, Notizen, Markdown), und alle Chats die zu diesem Bereich gehören. Claude liest Custom Instructions plus Project Knowledge bei jedem Chat im Project automatisch mit. Du sparst Dir das Re-Briefing.

Wichtig vorab, Projects ist ein Feature in claude.ai (der Web-Oberflaeche). Es ist kein Coder-Feature. Du brauchst kein Terminal, keine API, keinen MCP-Server. Ein Pro- oder Team-Account reicht. Dieses Playbook ist für Bewerber, Solo-Founder, Marketer, Coaches und alle die mit Claude arbeiten ohne zu programmieren.

Schritt 1, ein Project pro Lebens-Bereich

Der häufigste Fehler ist ein einziges Mega-Project für alles. Mach das nicht. Trenn nach Bereich. Bei mir laufen vier Projects parallel, "Bewerbungen 2026", "Newsletter StudioMeyer", "Kundenprojekt Halim", "Persoenliches Lernen". Jedes hat eigene Instructions und eigenes Wissen.

Faustregel, wenn Du für zwei Aufgaben sehr unterschiedliche Tonalitaet oder sehr unterschiedliches Wissen brauchst, mach zwei Projects. Wenn Du nur den Tonalitaets-Schalter umlegst, reicht ein Project mit einer Custom-Instruction-Sektion für beide Modi.

Schritt 2, Custom Instructions schreiben

Custom Instructions sind das was Claude bei jedem Chat in diesem Project zusätzlich mitbekommt. Sie sind kein System-Prompt im strengen Sinn, aber sie verhalten sich ähnlich. Limit liegt bei mehreren Tausend Zeichen, das reicht für eine kompakte Briefing-Seite.

Was rein gehört, Deine Rolle ("Ich bin Bewerber für Junior-Frontend-Stellen, Schwerpunkt React"), Dein Stil ("Antworten in Du-Form, kurz, keine Marketing-Sprache"), wiederkehrende Vorlieben ("Wenn Du Code schreibst, immer mit Kommentaren auf Deutsch"), und Anti-Patterns ("Schreib mir keine Anschreiben mit Im heutigen schnelllebigen Arbeitsmarkt").

Schreib das in Bullet-Form. Claude liest das jedes Mal mit, also halt es scharf und ohne Fluff. Wenn Du es nach zwei Wochen liest und denkst "das brauche ich nicht mehr", raus damit.

Schritt 3, Wissen hochladen mit System

Project Knowledge ist der Ablage-Bereich. Du kannst PDFs, Word, Markdown, Text-Files hochladen. Claude hat Zugriff auf den Inhalt bei jedem Chat im Project.

Lad nicht alles auf einmal hoch. Geh strategisch vor. Für das Bewerbungs-Project, mein Lebenslauf als PDF, drei Beispiele meiner besten Arbeit, eine Liste von Jobs auf die ich mich bewerbe mit Notiz warum. Für ein Kundenprojekt, das Briefing, drei Beispiele frueherer Arbeit, eine Liste vereinbarter Begriffe ("der Kunde heißt nicht Firma sondern Halim").

Faustregel, alles was Du oefter als zweimal in einem Chat erklären musstest gehört hier rein. Alles was sich woechentlich ändert eher nicht, das wird stale.

Schritt 4, Knowledge auffrischen

Project Knowledge bleibt nicht ewig frisch. Wenn Du im April Deinen Lebenslauf hochlaedst und im November bewirbst, ist das veraltet. Plan eine 5-Minuten-Routine alle 4 Wochen, oeffne jedes Project, scroll durch das Knowledge-Panel, entfern was nicht mehr stimmt, lad Neues nach.

Bei mir steht das alle ersten Sonntag im Monat im Kalender. 20 Minuten, vier Projects durchgehen, fertig. Ohne diese Routine kippt Claude irgendwann in falsche Annahmen weil das Knowledge alt ist.

Schritt 5, ein Starter-Prompt pro Project

Jedes Project sollte einen klaren ersten Prompt haben den Du oder Claude bei jedem neuen Chat im Project benutzt. Für Bewerbungen, "Hier ist eine Stellenanzeige, gib mir die wichtigsten 5 Anforderungen + welche meiner Erfahrungen darauf matchen, kurz." Für Newsletter, "Hier sind drei Themen-Ideen, welche ist die stärkste und warum."

Schreib diesen Starter in die Custom Instructions. Beispiel-Zeile, "Wenn ich einfach los schreibe, frag mich was meine heutige Aufgabe ist und biete dann eine kurze Liste passender Sub-Tasks an." Das macht jeden Chat scharf.

Schritt 6, Chats im Project organisieren

Im Project siehst Du alle Chats die zu diesem Bereich gehören. Default-Naming ist meistens schlecht, "New Chat" oder ein automatischer Titel von Claude. Benenn sie um sobald Du weißt worum es geht.

Bei mir steht im Bewerbungs-Project jeder Chat als "Anschreiben Firma X 2026-05-08" oder "Vorbereitung Interview Firma Y 2026-05-11". Datum vorne ist wichtig, Du findest später schneller wieder rein.

Aelter als drei Monate ohne Wiederverwendung, archivieren. Du brauchst sie nicht im Sichtfeld.

Schritt 7, Artifacts gezielt einsetzen

Wenn Claude in einem Project Antworten gibt die ein Dokument sind (Anschreiben, Tabelle, Programm-Plan), bitte ihn explizit "Pack das in ein Artifact". Artifacts sind Dokumente im rechten Panel die Du gezielt editieren und über mehrere Chats hinweg weiterentwickeln kannst.

Praktisch für Bewerbungen, ein Artifact pro Firma. Du kannst den Text iterativ verbessern, Claude bezieht sich beim nächsten Mal auf die letzte Version statt von vorn anzufangen.

Schritt 8, Tonalitaets-Drift vermeiden

Nach 20 Chats im selben Project faengt Claude oft an, sich Mustern anzupassen die Du nicht wolltest. Wenn Du drei Mal "schreib es lockerer" gesagt hast, schreibt er irgendwann alles wie ein Stand-up Comedian.

Gegenmittel, alle 2 Wochen Deine Custom Instructions neu lesen, schaerfen, und bei jedem neuen Chat den ersten Output streng prüfen. Wenn der Tonus driftet, korrigier in den Custom Instructions nicht nur im Chat. Sonst macht Claude beim nächsten Chat den gleichen Fehler.

Schritt 9, Daten-Hygiene und Sensibles

Project Knowledge wird laut Anthropic nicht für Modell-Training verwendet wenn Du ein Bezahl-Tier hast. Trotzdem, lad keine Passwoerter, keine internen Verträge ohne NDA-Klaerung, keine personenbezogenen Daten über Dritte hoch. Wenn Du Klienten-Material nutzt, frag vorher.

Faustregel die ich nutze, würde ich diesen Inhalt einer Vertretung mailen können, ja, dann darf er ins Project. Nein, dann nicht. Mache lieber einen anonymisierten Auszug.

Schritt 10, Projects mit Team teilen

Auf dem Team-Tier kannst Du Projects mit Kollegen teilen. Custom Instructions und Knowledge sind dann für alle gleich, jeder hat eigene Chats. Praktisch für Marketing-Teams die dieselbe Marke pflegen, oder Coaching-Praxen mit standardisierten Tonalitaets-Regeln.

Wenn Du teilst, leg eine "Teil-Wissen-aktuell-halten"-Rolle fest. Sonst gammelt das Knowledge weil keiner sich zustaendig fühlt.

Was als nächstes

Wenn das hier sitzt, weißt Du wie ein Project aussieht und wie Du es pflegst. Nächster Schritt ist die Lesson L2 System-Prompts die zeigt was hinter dem Konzept Custom Instructions steckt, und das Playbook Promptbibliothek aufbauen das Dir hilft Deine Lieblings-Prompts wiederverwendbar abzulegen. Wer am Ende anfangen will mit Claude Code im Terminal zu arbeiten, geht weiter zum Playbook Von ChatGPT zu Claude.

Offizielle Doku zu Projects, https://www.anthropic.com/news/projects.