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Promptbibliothek aufbauen, Lieblings-Prompts wiederverwenden ohne Copy-Paste

Du baust einen Vorrat aus 20 bis 30 Prompts der Deine Daily-Routine traegt. 10 Schritte vom ersten Eintrag zur durchsuchbaren Bibliothek die mit Claude.ai, ChatGPT und Claude Code funktioniert.

Du hast Lieblings-Prompts. Den einen der Stellenanzeigen kurzfasst. Den der Mails entwirft. Den der Code-Diffs erklärt. Heute liegen die in WhatsApp-Notizen, in einem Browser-Tab, in Deinem Kopf. Du tippst sie jedes Mal neu.

Eine Promptbibliothek ist kein Tool, es ist eine Gewohnheit. Du legst Deine Prompts an einem Ort ab, mit drei Pflicht-Feldern, und Du benutzt sie jedes Mal von dort. Nach zwei Wochen ist sie der erste Reflex bevor Du eine neue Aufgabe an Claude schickst.

Dieses Playbook zeigt 10 Schritte um eine Bibliothek aufzubauen die sowohl in claude.ai (Web) als auch in Claude Code (Terminal) funktioniert, ohne Premium-Tools. Du brauchst eine Notiz-App die Markdown spricht (Obsidian, Notion, Apple Notes, Bear, sogar ein Ordner mit .md-Files reicht).

Schritt 1, ein Ort für alles

Erste Entscheidung, wo lebt die Bibliothek. Bei mir ist es ein Ordner ~/notes/prompts/ mit einer Markdown-Datei pro Prompt. Andere Leute nutzen eine Notion-Datenbank, andere ein Obsidian-Vault. Egal welches Tool, drei Regeln, ein Ort für alle Prompts, durchsuchbar in unter 5 Sekunden, exportierbar als Markdown.

Was nicht geht, verteilt auf Mail-Drafts, Sticky-Notes und Browser-Tabs. Eine Quelle. Sonst suchst Du mehr als Du benutzt.

Schritt 2, drei Felder pro Eintrag

Jeder Prompt-Eintrag braucht drei Felder. Titel ("Stellenanzeige kurzfassen"), Use-Case ("wenn ich eine Anzeige finde und entscheiden will ob es passt"), und der eigentliche Prompt-Text.

Vier optionale Felder die ich nach drei Monaten dazu genommen habe, "Erwartete Eingabe" (was paste ich rein), "Erwartete Ausgabe" (was kommt zurück), "Tonalitaet" (locker, formell, technisch), "Letzte Aktualisierung" (Datum).

Erfind keinen weiteren Felder-Wildwuchs. Wenn ein Eintrag sieben Felder hat aktualisierst Du ihn nie.

Schritt 3, Kategorien statt Tags

Drei Kategorien reichen am Anfang. Bei mir, "schreiben", "analysieren", "transformieren". Jeder Prompt landet in genau einer. Wenn Du ständig zoegerst weil ein Prompt zu zwei Kategorien passt, ist die Trennung zu fein. Reduzier.

Tags sind verfuehrerisch aber sie werden inkonsistent. Du machst "Bewerbung" und nächste Woche "bewerbungen" und dann findest Du nichts mehr. Drei stabile Kategorien sind besser als 30 wachsende Tags.

Schritt 4, der erste Lade ist der haerteste

Setz Dich 30 Minuten hin und ueberleg, welche Prompts schreibe ich oft. Schau in Deine letzten 20 Chats in claude.ai oder ChatGPT. Wenn Du dort drei Mal etwas Ähnliches getippt hast, ist das ein Bibliotheks-Kandidat.

Realistisches Start-Ziel, 5 Prompts. Nicht 30. Du wirst die ersten 5 in der nächsten Woche testen und merken dass drei davon noch nicht gut sind. Erst danach baust Du weiter.

Schritt 5, einen Prompt scharf machen

Ein Bibliotheks-Prompt ist nicht der gleiche wie ein Wegwerf-Prompt. Er muss ohne Kontext funktionieren weil Du ihn morgen in einem leeren Chat einfuegst.

Vier Schraeggeschnitte machen einen Prompt scharf. Eins, klar was die Eingabe ist ("Ich gebe Dir eine Stellenanzeige als Text"). Zwei, klar was die Ausgabe sein soll ("Liste mit 5 Punkten, je 1 Satz, am Ende ein Score 1-10"). Drei, klar was nicht (kein Anschreiben, keine Anrede). Vier, klar wer Du bist ("Ich bin Bewerber für Junior-Frontend-Rollen").

Test, wenn Du den Prompt morgen früh in einem leeren Browser-Tab einfuegst, weiß Claude was er tun soll. Wenn nicht, schaerf.

Schritt 6, Variablen mit Platzhaltern

Statt jedes Mal Deine Rolle, Dein Projekt, den Empfaenger neu zu tippen, mach Platzhalter. Ich nutze geschweifte Klammern, {ROLLE}, {PROJEKT}, {EMPFAENGER}. Beim Einfuegen ersetzt Du die.

Beispiel-Prompt für Kundenmails:

Du bist \{ROLLE\} und schreibst an \{EMPFAENGER\} über \{PROJEKT\}. Ton ist \{TON\}. Ziel der Mail ist \{ZIEL\}. Schreib in Du-Form, kurz, kein Marketing-Sprech.

Du paste das, Du ersetzt 5 Klammern, der Prompt ist fertig. Schneller als jedes Mal neu schreiben.

Schritt 7, Tonalitaets-Block einmal ausarbeiten

Wenn Du in mehreren Prompts eine Tonalitaet erzwingst (Du-Form, kurz, keine Floskeln), schreib einen Tonalitaets-Block einmal als eigene Notiz und paste ihn unten an jeden Prompt der ihn braucht.

Bei mir steht in tonalitaet-default.md, "Schreib in Du-Form. Halt Sätze kurz. Vermeide im heutigen schnelllebigen, im Kern, lasst uns eintauchen. Em-Dashes ausschalten." Wenn ich einen Schreib-Prompt nutze, paste ich diesen Block dazu. Änderung der Tonalitaet, ein File, alle Prompts profitieren.

Schritt 8, Slash-Commands für Power-User

Wenn Du Claude Code nutzt, kannst Du Deine wichtigsten Prompts als Slash-Commands hinterlegen. Leg eine Markdown-Datei in ~/.claude/commands/ an mit Dateiname stellenanzeige-kurz.md. Inhalt ist Dein Prompt-Text. Im Terminal-Chat tippst Du dann /stellenanzeige-kurz und der Prompt ist geladen.

Vorteil, der Prompt ist immer da und Du kannst ihn pro-Projekt unterschiedlich pflegen. Nachteil, das geht nur in Claude Code, nicht in claude.ai. Für claude.ai bleibst Du beim Copy-Paste aus der Bibliothek.

Wer es noch sauberer will, packt eine Sammlung von Slash-Commands in ein Plugin und teilt es mit Kollegen, siehe das Playbook Dein erstes Claude Code Plugin in 60 Minuten.

Schritt 9, monatlich aufraeumen

Eine Bibliothek wird Muell wenn sie nicht gepflegt wird. Plan eine 15-Minuten-Routine alle 4 Wochen, geh durch alle Einträge, markier mit "Behalten", "Schaerfen" oder "Loeschen".

Faustregeln, wenn Du einen Prompt 4 Wochen nicht benutzt hast und keinen konkreten Grund für nächste Woche siehst, weg damit. Wenn Du ihn 4-mal genutzt hast aber das Ergebnis war zwei Mal nicht gut, schaerf ihn (Schritt 5). Wenn er solide läuft, lass ihn in Ruhe.

Eine Bibliothek mit 25 scharfen Prompts ist nuetzlicher als eine mit 80 verstaubten.

Schritt 10, Versionierung leicht halten

Du wirst Prompts veraendern. Manchmal stellst Du fest dass die alte Version besser war. Sicherheitsnetz, leg den Ordner unter Git. Ein git init im Notizen-Ordner, ein git commit -am "prompt updates" einmal die Woche, und Du kannst jede ältere Version rekonstruieren.

Wer Git nicht kennt, siehe L1 Git für KI Lesson 1. Alternativ jeden Prompt-File mit _v1, _v2 suffix wenn Du Änderungen drastisch sind. Aber Git ist sauberer.

Was als nächstes

Wenn die Bibliothek steht, ist der nächste Hebel sie mit Project Knowledge in claude.ai zu kombinieren, siehe das Playbook Claude Projects für Nicht-Coder. Wer technische Prompts in Slash-Commands pflegen will, geht weiter zur Lesson L2 System-Prompts und zum Playbook Eigene Slash-Commands für Claude Code. Wer eine eigene Skill aus drei wiederkehrenden Prompts bauen will, schaut sich Erste eigene Skill in 30 Minuten an.

Offizielle Doku zu Custom Slash-Commands in Claude Code, https://docs.claude.com/en/docs/claude-code/slash-commands.